Doku Fasnacht Kriens

Nachfolgend ein Auszug aus der Chronik der
Galli - Zunft, Kriens von 1997
Verfasser: Jürg Studer
Wie das Schnitzen ins Kriensertal gekommen ist, vermag heute niemand mehr zu sagen, denn die Chroniken schweigen sich darüber aus. Man weiss nach mündlichen Überlieferungen zu berichten, dass seit über 150 Jahren auf dem Heimwesen " uf der Muur " Masken von diversen Schnitzern vorhanden waren oder gechnitzt worden sind und von dort sei die Kunst über die umliegenden Höfe im letzten Jahrhundert weitergegeben worden. So bezeichnet man die ersten Krienser Holzmasken als " Muur - oder Hübelimasken " und man kann beim Betrachten erkennen, dass sie nicht von derselben Hand geschnitzt worden sind. Diese Masken weisen kaum durchbildete, stark vereinfachte Gesichtszüge mit einer rudimentären Ausarbeitung auf, anderseits finden wir aber auch eine verfeinerte Technik mit sehr menschlichen Zügen.
Dem zu Ende des 18. Jahrhunderts " uf der Muur " geborene Gallus Rüttimann wird heute die Ehre zuteil, der erste Maskenschnitzer in Kriens gewesen zu sein, obwohl man nicht genau weiss ob er die Masken nur gesammelt oder auch geschnitzt hat. Dieser berühmte " Muurgalli " seines Zeichens Grossrat sowie Gemeindeammann und Präsident des Gemeinderates in Kriens ( 1831 - 44 und 1851 - 63 ), hatte aber eine nicht mehr wegzudenkende Tradition geschaffen
Wir Krienser sind nicht nur stolz auf unsere Fasnachtstradition, wir sind vor allem stolz auf unsere ureigenen Fasnachtsfiguren und auf unsere typischen handgeschnitzten Holzmasken. Über den Zeitpunkt des ersten Auftretens weiss man praktisch nichts mehr. Allgemein in der Fasnachtsforschung ist bekannt, dass lokale und regionale Maskentypen in verschiedenen Gegenden der Schweiz erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden. Auch über die Herkunft ist man sich unter Lokalhistorikern nicht ganz einig. Logischerweise nahm man damals wie auch heute alte Kleider, um Fasnacht zu machen. Dies lässt den Schluss zu, dass die Figur des Deckels, des Buuremaas, des Buure - und Bärnerwybes erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in klarer Form entstanden sind, denn auf den ersten bekannten und datierten Fotos von 1900 ( Krienser am Fritschiumzug in Luzern ) sind keine klar einheitlich gekleidete Figuren erkennbar. Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass diese Art des Verkleidens und Auftreten nur in Kriens zu finden sind und desswegen müssen Gründe vor allem in der Geschichte von Kriens gesucht werden.

Bärnerwyb / Bernerweib
Am meisten umstritten ist wohl die Herkunft dieser Frauenfigur. Die Herkunft des Bärnerwybes soll bis in die Reformation zurückreichen. Die, in die katholische Innerschweiz eingewanderten Berner Bauernfamilien hinterliessen Trachten, welche später als Fasnachtskleider dienten. Die meistverbreitete Herkunftsversion geht aber auf den Franzoseneinfall in der Innerschweiz zurück. Kriegstruppen kamen von Bern über das Renggloch nach Kriens und die mitziehenden Marketenderinnen lebten vom Warenverkauf und von der Prostitution

Bärnerwybergruppe
 

Krienser Deckel
Wie die Figur des Bärnerwybes stammt der Krienser Deckel aus der Zeit, als die französischen Truppen am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Innerschweiz zogen. Versprengte oder desertierte Soldaten lebten in den Wäldern um Kriens und verbreiteten Angst und Schrecken. Der Deckel wurde getragen, um sich vor Regen und Schnee zu schützen. Die Kleiderfarben weisen auf die Farben der Trikolore hin.

Krienser Deckel
 

Wöschwyb / Waschweib
Die Figur des Wöschwybes stammt aus der Zeit als die Krienser Frauen bei der " noblen Gesellschaft " in Luzern als Wäscherinnen tätig waren.
Den Waschfrauen hat man seit jeher nachgesagt, sie verbreiten Gerüchte und Neuigkeiten, sogenannten Klatsch und Tratsch, der ihnen bei der Arbeit zu Ohren kam. Krienser Burschen und Männer machten sie aus diesem Grunde zu Fasnachtsfiguren. Vielleicht, um hinter der weiblichen Maske versteckt, auch ihrem eigenen Bedürfnis nach " Gwäsch " nachzukommen. Die ursprünglichen Wöschwyber trugen schwarze Kopftücher, dunkle Röcke und farbig gemusterte Oberteile. Die Kleider mit dem roten Kölsch haben sich erst seit 1939 eingebürgert.

Krienser  Wöschwyber
 

Charakter - Figuren
Die urtümliche Bauernfasnacht lebt aber noch von vielen anderen typischen Krienser Figuren die immer mit den schönen Charakter - Holzmasken anzutreffen sind. Typische Figuren sind:
Heubeeriwyb, Chrüterwyb, de Alti, die Alt, Chorber, Holzer, Husierer,Chrütermandli, Güggelipeter usw.
Jedes Jahr tauchen neue Originelle Figuren auf. Mit den Charakter - Holzmasken sind dem Fasnächtler keine Grenzen gesetzt. Der bekannteste Maskenschnitzer war sicher Alois Blättler der leider 1978 verstarb und der die Charakter - Masken eigentlich richtig bekannt machte.

Altes Paar
 
 

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